Mitteilung Stadt

Werkbeiträge 2026 für St.Galler Kulturschaffende

Maj Lisa Dörig
Maj Lisa Dörig

Die Stadt St.Gallen vergibt im Jahr 2026 acht Werkbeiträge in der Höhe von je CHF 10‘000. Ziel ist es, St.Galler Kulturschaffenden die Entwicklung und Realisierung von bemerkenswerten Projekten zu ermöglichen. Insgesamt wurden 45 Bewerbungen für die Auswahl berücksichtigt. Davon stammten 25 aus den Bereichen Bildende und Angewandte Kunst, sieben aus dem Bereich «Musik», sechs aus dem Bereich «Literatur», zwei aus dem Bereich «Theater», vier aus dem Bereich «Geschichte und Gedächtnis» und eine aus dem Bereich «Film». Keine Eingabe richtete sich ausdrücklich an das Angebot des Auslandaufenthalts.

 

Ara (Musik)
Das Duo Ara wurde vor vier Jahren in St.Gallen gegründet. Die St.Galler Musikerin Géraldine Arpagaus und der Musiker Sinan Taner schildern in ihren Songs das Lebensgefühl junger Menschen in der Stadt St.Gallen, ihre gemeinsamen Erlebnisse, Beobachtungen und Freundschaften. Das aktuelle Albumprojekt befindet sich in einer frühen Produktionsphase, in der Ideen gesammelt und ausprobiert werden. Die geplanten Songs werden in ein visuelles Gesamtkonzept integriert, in dem Musik und Bild miteinander in einen Dialog treten. Ara arbeitet mit analogen Synthesizern und eigens aufgenommenen Geräuschen. Ergänzt wird das Klangbild durch klassische Instrumente wie Klavier, Cello oder Gitarre und Gesang. Auf dem Album werden Kollaborationen mit anderen Musikerinnen und Musikern aus der Stadt St.Gallen und der angrenzenden Region zu hören sein. Der Werkbeitrag gibt Ara den notwendigen Raum für musikalische und visuelle Experimente.

Data-Orbit (Angewandte Kunst)
Data-Orbit, gegründet 2018, ist die kollaborative kreative Praxis von Nayla Baumgartner, Fabio Menet und Louis Vaucher. Seit ihrer gemeinsamen Abschlussarbeit an der Zürcher Hochschule der Künste entwickeln sie kontext-spezifisch und typografisch präzise digitale Publikationen und Websites für Museen, Architekturbüros und Kunstschaffende. Das Vorhaben «Anti-Manual» umfasst die Entwicklung einer experimentellen Webseite, die digitale Interfaces auf ihr erzählerisches Potenzial untersucht. Data-Orbit untersucht, zerlegt und verschiebt die Bestandteile einer Website: Layout, Navigation, Typografie, Bewegung und Interaktion funktionieren nicht mehr nach dem üblichen Schema und erhalten einen eigenen Charakter; die gewohnte Orientierung gerät ins Wanken. Die Website ist zugleich Publikation und Experiment, sie ist als Plattform offen zugänglich und wird fortlaufend erweitert. Der Werkbeitrag unterstützt den eigenständigen Beitrag von Data-Orbit zum aktuellen Gestaltungsdiskurs und dem damit verbundenen Austausch über Verhalten und Kommunikation im digitalen Raum.

Asi Föcker (Bildende Kunst)
Asi Föcker experimentiert mit Licht, Luft, Bewegung, Raum und Klang. Die St.Galler Künstlerin geht von alltäglichen Gegenständen und Materialien aus und sucht die fragilen Stimmungen in der Bewegung von Objekten und Licht. In ihrem neuen Projekt «Point of View – Der Blick als Objekt im Raum» möchte sie ihren künstlerischen Blick mit einem Experiment erweitern: Asi Föcker wird die weltweit verbreiteten, unterschiedlichen Erzählungen über das Sehen, über das Verhältnis von Auge und Licht suchen sowie historische Theorien und Mythen über die visuelle Wahrnehmung sammeln. Anschliessend werden diese Ideen und Konstrukte in skizzenhafte Modell-Apparaturen übersetzt, um den unterschiedlichen Erklärungen zum Sehen näherzukommen. Der Werkbeitrag würdigt die hohe Innovationskraft Asi Föckers und ihre überraschende Erweiterung der eigenen, unverwechselbaren Arbeit.

Basil Kehl (Musik)
Der St.Galler Basil Kehl ist freischaffender Sänger, Songwriter und Produzent der St.Galler Mundart-Pop-Band «Dachs». Parallel dazu veröffentlicht er seit 2015 unter dem Namen «Wassily» elektronische Musik. Mit Dachs und Wassily spielte Basil Kehl über 400 Konzerte – darunter am Openair St.Gallen und am Zürich Openair sowie Tourneen in Deutschland und Österreich. In den letzten Jahren hat Basil Kehl viel Musik allein geschrieben, aufgenommen und produziert. Nun plant er ein neues, kollaboratives Vorgehen. Es soll Raum für Entwicklung, Austausch und Veränderung bieten. Ziel ist es, im Austausch mit anderen Künstlerinnen und Künstlern, experimentelle Ansätze zu entwickeln und dem Publikum zugänglich zu machen. Der Werkbeitrag ermöglicht Basil Kehl musikalische Kollaborationen, damit er für sein eigenes Arbeiten wertvolle Impulse erhalten, Genregrenzen überschreiten und den schweizerdeutschen Pop-Kontext erweitern kann.

Laura Kohler (Bildende Kunst)
Laura Kohler ist als freischaffende Künstlerin in der Stadt St.Gallen unterwegs. Ihr bevorzugtes Metier ist die Zeichnung. Kohlers künstlerisches Vorhaben geht aus von einer Kritik an der gesellschaftlichen Konditionierung auf Schnelligkeit und Effizienz, die einerseits in Überforderung münden kann und verhindert, Gesehenes bewusst wahrzunehmen und zu verarbeiten, und andererseits dazu führt, dass immer mehr Denk- und Ausgestaltungsprozesse an die Technologie ausgelagert werden. Die Künstlerin plädiert für mehr Rohheit, Imperfektion und «Makel»: für ungefilterte Momente, wie sie nur entstehen, wenn echte Menschen sie erzeugen. Deshalb will sie auf langsamen Wegen mit Menschen in Kontakt treten, ihnen zuhören und die gewonnenen Informationen und Geschichten in einer analog illustrierten und schriftlichen Reportage vereinen. Der Werkbeitrag würdigt die hohe Qualität der Zeichnungen Kohlers und ermöglichen ihr, damit ein lebendiges Bild von spontanen Situationen und Begegnungen der Gegenwart zu vermitteln.

Marianne Rinderknecht (Bildende Kunst)
Marianne Rinderknecht ist in St.Gallen seit vielen Jahren als freischaffende Künstlerin tätig. Sie ist mit ihrer Arbeit in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen präsent und ist auch über die eigene künstlerische Arbeit hinaus in unterschiedlichen Projekten und Gremien für die zeitgenössische Kunst engagiert. Mit ihrem Vorhaben «Faux Painting» bezieht sich die Künstlerin auf die kunstvolle malerische Nachahmung hochwertiger Materialien wie Marmor, Holz oder Stein. Marianne Rinderknecht verknüpft das alte Handwerk mit aktuellen Herausforderungen. In Zeiten von Fake News zeigt sie, wie Realität täuschend echt dargestellt werden kann – haptisch, sichtbar, erfahrbar – und zugleich bewusst «nicht echt» ist. Mit Unterstützung durch einen Werkbeitrag wird die Künstlerin das alte Handwerk fundiert erlernen und experimentell in ihrer eigenen Kunst anwenden.

Stefan Sigg (Literatur)
Der St.Galler Stefan Sigg schreibt seit vielen Jahren für Kinder und Jugendliche und vermittelt Literatur in Lesungen und Schreibworkshops in Primar-, Oberstufen-, Mittel- und Berufsschulen im ganzen deutschsprachigen Raum. Aktuell arbeitet er an dem Jugendroman «72 Stunden wach» für Menschen im Alter ab 13 Jahren. Die Geschichte erzählt aus der Perspektive eines Jugendlichen von der Herausforderung, 72 Stunden wach zu bleiben. Damit geraten Körper und Psyche an ihre Grenzen und es öffnen sich Erfahrungsräume, in denen sich Jugendliche wiedererkennen und eigene Fragen entwickeln können. Der Stoff wird mit klarer dramaturgischer Struktur geschildert und behandelt die wichtige übergeordnete Frage, wie Ruhe, Entspannung und Schlaf gefunden werden kann in einer Gesellschaft der Reizüberflutung, des Leistungsdrucks und der permanenten Erreichbarkeit? Der Werkbeitrag fördert die Bearbeitung eines relevanten Themas in jugendgerechter Sprache.

Robert Stark (Bildende Kunst)
Robert Stark lebt in St.Gallen und hat Bildhauerei an den Akademien der Bildenden Künste in München und Helsinki studiert. Im Zentrum seiner künstlerischen Arbeit steht die Auseinandersetzung mit Architektur. Sein Vorhaben «Terrassen – Treppen – Perspektiven – Die faszinierende Ästhetik des Verborgenen» richtet den Blick auf die Architektur in der Stadt St.Gallen. Stark will sich auf Spurensuche städtebaulicher Entwicklungen begeben. Seine Entdeckungsreise beginnt zeichnend und fotografierend vor Ort und wird von Recherchen und Gesprächen ergänzt. Die aus diesen Auseinandersetzungen destillierten Formen und Strukturen werden in montageartigen Prozessen zueinander gefügt. Das Vorhaben ist bereichernd für die städtische Kunstszene und wird mit einem Werkbeitrag unterstützt.