Mitteilung Kanton

Bartgeier etablieren sich im Kanton St.Gallen

Fliegender Bartgeier.
Fliegender Bartgeier.

Nach der ersten nachgewiesenen Bartgeierbrut im vergangenen Jahr hat im Kanton St.Gallen erneut ein Bartgeierpaar erfolgreich gebrütet. Im Taminatal ist ein Jungvogel geschlüpft und ausgeflogen. Die zweite gelungene Brut zeigt, dass sich der Bartgeier im Kanton St.Gallen wieder etabliert.

Mit der geglückten Brut setzt sich eine positive Entwicklung fort. Bereits im vergangenen Jahr gelang im Taminatal erstmals eine erfolgreiche Bartgeierbrut im Kanton St.Gallen. Nun hat vermutlich dasselbe Elternpaar erneut gebrütet. Der Jungvogel ist inzwischen flügge geworden und hat den Horst verlassen.

Der Kanton St.Gallen beteiligte sich zwischen 2010 und 2014 am nationalen Wiederansiedlungsprojekt für den Bartgeier. Damals wurden insgesamt zwölf Jungvögel im Calfeisental ausgewildert. Einer davon war der Bartgeier Noel-Leya, der heute als Vater des letztjährigen Jungvogels bekannt ist. Es ist davon auszugehen, dass dasselbe Brutpaar wieder erfolgreich brütete. Die zweite gelungene Brut zeigt den Erfolg der Wiederansiedlung.

Bartgeier verteidigen ihren Horst gegen Gänsegeier

In der Umgebung des Bartgeierhorstes wurden während der Brutzeit wiederholt auch Gänsegeier beobachtet. Das Bartgeierpaar hat auf die Annäherung der Gänsegeier reagiert und sie mehrmals aus dem Bereich des Brutplatzes vertrieben. Die Tiere in der Nähe des Horstes haben für den jungen Bartgeier keine direkte Gefahr dargestellt. Dass das Bartgeierpaar die Gänsegeier wiederholt vertrieben hat, zeigt, dass das Bartgeierpaar seinen Brutplatz konsequent verteidigt.

Solche Beobachtungen sind in der Schweiz heute nicht mehr aussergewöhnlich. Gänsegeier halten sich hauptsächlich zwischen April und Oktober in der Schweiz auf. Sie brüten hierzulande nicht, sondern treten als Nahrungsgäste auf. Bei den beobachteten Tieren handelt es sich mehrheitlich um noch nicht geschlechtsreife Vögel, die über grosse Distanzen umherstreifen. Gemäss Schätzungen der Schweizerischen Vogelwarte halten sich inzwischen jeden Sommer mehrere Hundert Gänsegeier in der Schweiz auf. Seit 2012 haben die Beobachtungen deutlich zugenommen.

Störungen am Brutplatz vermeiden

Neben der noch immer geringen genetischen Vielfalt der Bartgeierpopulation in den Alpen können Störungen am Brutplatz den Bruterfolg gefährden. Insbesondere Helikopter- und Drohnenflüge, aber auch die Annäherung durch Wildtierfotografinnen und Wildtierfotografen können dazu führen, dass die Altvögel den Horst vorübergehend oder dauerhaft verlassen.

Die Brutplätze der Bartgeier werden deshalb zum Schutz der Tiere nicht bekannt gegeben. Der Kanton bittet die Bevölkerung, Wildruhezonen und geltende Flugbeschränkungen zu beachten und Bartgeier nur aus grosser Distanz zu beobachten.

Wiederansiedlung des Bartgeiers in der Schweiz

In der Schweiz wird das Projekt zur Wiederansiedlung des Bartgeiers primär durch die «Stiftung Pro Bartgeier» geleitet und in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen umgesetzt. Auf der Homepage www.bartgeier.ch können die Schicksale aller Bartgeier, die im Calfeisental ausgewildert wurden, nachgelesen werden.